Sie sind hier: [Start] - [A - Z] - [G] - Geothermie (Stand: 18.05.2016)
[Bauzentrum München] [Medienecho & Links] [Politische Initiativen]

Geothermie in München - zukunftsträchtige Wärme mit Transparenz- und Technikproblemen

Verwandte Themen: [Fernwärme] [Abwärme]

Mit dem Nahwärme-Inselnetz für die Messestadt Riem ist seit 2005 auch in München das Tiefen-Geothermie-Zeitalter ausgebrochen. Allerdings gibt es Probleme im Detail und - in München leider üblich - eine ausgesprochen restriktive Informationspolitik der SWM (Projektseite Geothermie der SWM).

Schema Freiham

Die Idee an sich ist bestechend: die Lagegunst des Voralpenraums ausnutzen und heißes Wasser aus 2000 m Tiefe hochpumpen, um damit den Wärmebedarf des neuen Stadtteils zu decken - ganz ohne Einsatz fossiler Brennstoffe. Allerdings werden SWM-typisch evtl. durch den Verzicht auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas bestehende Kostenvorteile nicht an die Endkunden weitergegeben. Vielmehr wird der münchen-weite Fernwärme-Einheitspreis verlangt - und der ist im Mittel deutlich höher als der Gas-Preis. Genau dies hat die Wohnbaugenossenschaft Wagnis 3 in der Messestadt bewogen, auf die M-Wärme zu verzichten und eine autarke Wärmeversorgung auch unter Einsatz von bodennaher Geothermie und Wärmepumpen zu installieren.

Erdwärmepreis in Riem rechtskonform?

Dabei bestehen seit der aufsehenerregenden Rechtsprechung des BGH vom 6.4.2011 (Urteil) erhebliche Zweifel, ob der Riemer Erdwärme-Preis nicht gegen geltendes Recht verstößt: der BGH hat festgestellt, dass Fernwärmeversorger bei ihrer Preisbildung zu 50 Prozent nur die Preisentwicklung der tatsächlich eingesetzten "Brennstoffe" ansetzen dürfen. Dieser ist aber in der Messestadt Riem zu 90 Prozent Erdwärme und nur zu max. 10 Prozent Erdgas.

Lange unbeachtet: zu hohe Rücklauftemperaturen

Erst seit Winter 2012/3 ist öffentlich geworden, dass es schon von Anfang an Probleme mit zu hohen Rücklauftemperaturen gibt. Diese stellen für die SWM ein wirtschaftliches und letztlich auch ökologisches Problem dar. Das Geothermiewasser wird mit ca. 90 GradC gefördert und geht direkt in den Heizungsvorlauf (VL). In Phasen eines geringen Wärmebedarfs (außerhalb der Heizperiode) kommt es dann mit bis zu 80 GradC aus den hausseitigen Wärmeübergabestationen in den Rücklauf (RL). Die bezogene und verrechenbare Wärmemenge ist direkt proportional der Temperaturdifferenz VL-RL, diese beträgt u. U. nur wenige GradC oder gar Null. Dann wandert bis zu 80-grädiges Wasser ungenutzt wieder zurück in den Boden - und mit ihm die beträchtliche Pumpenergie.

Die Wärmeübergangsstationen müssen daher hydraulisch und regelungstechnisch so ausgelegt werden, dass eine möglichst große Temperaturspreizung zwischen VL und RL erreicht wird. Verkompliziert wird die Aufgabe durch Anforderungen aus der Legionellenverhinderung, die eine vergleichsweise hohe Warmwassertemperatur erfordern. Es gibt mittlerweile aber unterschiedliche technische Lösungen (z. B. [hier].

Reden wir etwas über Geld ...

Die neuen technischen Lösungen führen aber grundsätzlich dazu, dass der ursprünglich gegebene Investitionskostenvorteil einer Fernwärmehausstation gegenüber z. B. einer Gastherme verschwindet und sich u. U. sogar umkehrt. Sollte sich dieser Trend bestätigen, dann wäre der traditionelle Preisaufschlag der SWM für die M-Wärme wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen.


Das Bauzentrum hilft

Bauzentrum München

Das Bauzentrum der Stadt München kennt die Problematik in der Messestadt aus dem Effeff und geht in seinen Veranstaltungen und Beratungsleistungen immer wieder darauf ein.

Meine Spezialseite zur Geothermie Riem liefert Ihnen eine aktuelle Übersicht (...mehr).

splendid isolation - for ever?

Ein weiterer kritikwürdiger Punkt ist die Weigerung der Stadtwerke, benachbarte Stadtteile außerhalb der Messestadt Riem wie Riem oder Kirchtrudering anzuschließen. Begründung: unwirtschaftlich. Das verwundert, wo doch im Münchner Umland Gemeinden wie [Aschheim, Feldkirchen], [Ismaning], [Unterhaching], [Oberhaching] und [Grünwald] die Geothermie einsetzen und dabei Teilnetze über kilometerlange Verbindungsleitungen zusammengeschlossen werden.


Medienecho

3.1.2014: AZ on-line: Geothermie optimal nutzen
24.4.2014: SZ: Heisse Gespräche
14.7.2014: tz on-line: SWM Erdwärme-Projekt: Viel zu teuer gebohrt

Links

[Projektseite Geothermie der SWM].
SWM: Vision Fernwärme 2040
SWM-Pressemeldung vom 12.03.2012 [Wortlaut]

Politische Aktivitäten

Im folgenden finden sich Stadtratsanträge zum Thema Fernwärme und Geothermie, die entweder von mir stammen (bis April 2014) oder später von mir inspiriert wurden.

06.05.2016: StR-Mitglieder Beatrix Burkhardt, Ulrike Grimm, Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Antrag Nummer 14-20 / A 02094: "Systemisch handeln - Wärmevision 2040 vorantreiben - städtische Betriebskosten senken: Schulneubauten auch zur Rücklaufauskühlung im Fernwärmenetz nutzen" (Vorgang)

05.08.2014: StRe Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Johann Sauerer, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Anfrage Nummer 14-20 / F 00051 "Heizen bis zum Abwinken - warum pumpt die SWM im Hochsommer zu viel Erdwärme in die Messestadt?" (Vorgang)


25.06.2014: StRe Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Marian Offman, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Anfrage Nummer 14-20 / F 00021 "Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an: wie trägt die SWM konkret dazu bei, beim bevorstehenden Anschluss des 4. Bauabschnittes der Messestadt Riem an die M-Geothermie die bekannten Probleme mit zu hohen Rücklauftemperaturen zu vermeiden?" (Vorgang)
26.2.2014: StR-Antrag 08-14 / A 05177 "Unabhängige Schiedsstelle für Geothermie-Nachbesserung in der Messestadt" (Vorgang)
11.2.2014: StR-Antrag 08-14 / F 01823 "65 Millionen Mehrkosten beim Geothermie-Projekt Sauerlach - wie wirtschaftlich ist das Projekt auf die Dauer, wer bezahlt die Mehrkosten?" (Vorgang)
3.1.2014: StR-Antrag 08-14 / A 04967 "Damit die Geothermievision auch wirklich funktionieren kann - innovatives on-line-Monitoring in der Messestadt Riem installieren und als Teil-Projekt für SMART CITY Munich vorsehen" (Vorgang)
18.11.2013: Änderungsantrag 08-14 / A 04820 zum TOP "Optimierung des Geothermie-Nahwärmenetzes in München" (Vorgang)
4.9.2013: StR-Anfrage 08-14 / F 01657 "Wann werden die Geheimnisse rund um die Rücklauftemperaturen bei der M-Fernwärme gelüftet?" (Vorgang)
25.5.2013: StR-Anfrage 08-14 / F 01567 "Fernwärme: Sicherstellung ausreichender Temperaturen gegen Legionellen auch im Sommer?" (Vorgang)







Initiativen 2008 bis 2011

1.9.2011: StR-Anfrage 08-14 / F 01016 "Fragen zur Geothermie-Versorgung des Münchner Messegeländes" (Vorgang)
26.5.2011: StR-Antrag 08-14 / A 02489 "Wenn München wüsste, was die Tochter GEWOFAG weiß...- Spektakuläres und energiesparendes Wärmetauscher-Konzept dem Stadtrat vorstellen" (Vorgang)
17.5.2011: Antrag 08-14 / A 02450 "Warum schaffen es Umlandgemeinden, auch für eher locker besiedelte Gemeindegebietsteile geothermiegespeiste Fernwärmenetze wirtschaftlich darzustellen?" (Vorgang)
14.5.2011: Anfrage 08-14 / F 00909 "Wie gut funktioniert die Tiefen-Geothermie in der Messestadt Riem?" (Vorgang)
23.10.2008: Anträge "München setzt auf Geothermie" (1) - Erfahrungen aus dem Geothermie-Projekt Messestadt Riem nutzen"
"München setzt auf Geothermie" (2) - Welche Preismodelle haben sich bei Geothermie-Fernwärme-Projekten etabliert?" (Vorgang)